Keynoting ECSA 2011
Verfasst von Eberhard Wolff unter Allgemein am 4. August 2011
The range of topics includes service and component architectures, quality attributes of software architectures, product line architectures, management of architectural decisions, and enterprise architecture. Workshops on traceability and dependencies in software architecture, as well as software architecture variability, provide further opportunities for in-depth discussion.
Each day, keynote speakers from academic and industrial backgrounds will discuss perspectives on current trends and challenges in software architecture. The other keynotes are:
- Interactive Ubiquitous Computing Systems (Albrecht Schmidt, University of Stuttgart)
- Software Analysis as a Service (Harald Gall, University of Zurich)
- Enterprise Architecture (Jörg Koletzki, E.ON IT GmbH)
- Software Performance Engineering in Dynamic Environments (Raffela Mirandola, Politecnico di Milano)
- Balancing Long-Term Research with Industrial Applicability (Magnus Larsson, ABB Corporate Research)
The detailed program and registration information can be found at http://www.ecsa2011.org - register online before August 14th to take advantage of the early registration rates!
SEACON, Jahr 3: Experiment geglückt
Verfasst von Holger Koschek unter Architektur, Technologie am 8. Juli 2011
Die diesjährige SEACON hat wieder einmal gezeigt, dass die Besucher von einer zeitgemäßen IT-Konferenz nicht nur fundierte praxisnahe Vorträge erwarten, sondern sich aktiv in das Konferenzprogramm einbringen wollen.
In einer vom Wandel geprägten Zeit muss auch die IT-Branche lernen, mit Veränderungen menschlich umzugehen. Trotzdem muss sie nach wie vor unablässig gute Software produzieren – Wandel hin oder her. Und so reift langsam die Erkenntnis, dass neben guten Werkzeugen, Architekturen und Konzepten für die Entwicklung und den Betrieb von Softwaresystemen auch Veränderungsprozesse benötigt werden, die alle Mitarbeiter in die neue Welt mitnehmen. Deshalb hat der Fachbeirat der SEACON auch in diesem Jahr einen entsprechenden Themenbogen gespannt, der von technischem Expertenwissen über fundierte Praxisberichte bis hin zu Soft Skills reicht.
Dieser Themenbogen spiegelte sich schon in der ersten Keynote am Montagmorgen wider. Dr. Horst Karaschewski, Leiter der Anwendungsentwicklung bei der HanseMerkur Versicherungsgruppe, berichtete offen und ehrlich aus einem großen Projekt, in dem das Geschäftsprozessmanagement besser automatisiert und mit einer (ebenfalls neuen) serviceorientierten Architektur verknüpft wurde. Soweit die technischen Herausforderungen. Mindestens genauso herausfordernd sind die organisatorischen und sozialen Aspekte, die mit einem solchen Projekt verknüpft sind. Der Softwareentwicklungsprozess wurde auf Scrum umgestellt, die Teams interdisziplinär zusammengestellt. Das funktioniert nur, wie Herr Dr. Karaschewski betonte, wenn man die Menschen “mitnimmt”.
Dass dieses “Mitnehmen” nicht für jeden Menschen auf die gleiche Weise funktioniert, zeigten Peter Siwon und Rudolf Eckmüller in ihrem kurzweiligen Vortrag. Sie stellten das DISG-Persönlichkeitsmodell vor und zeigten, wie die vier Verhaltensmuster, die dieses Modell beschreibt, auf Veränderungen reagieren. Mit diesem Wissen war es dann fast offensichtlich, wie man Menschen abhängig von ihrem Persönlichkeitsprofil in einen Veränderungsprozess einbindet, ohne sie abzuschrecken oder zu überfordern. Ein schönes Lehrstück in Sachen Diversität.
Dass das Kunststück gelingen kann, ein fachlich und technisch anspruchsvolles Projekt in einem konservativen Umfeld sehr erfolgreich agil umzusetzen, stellten Jörg Landmann (Lufthansa Technik) und mein Kollege Carsten Sahling in ihrem Erfahrungsbericht unter Beweis. Die angeregten Diskussionen während des Vortrags und auch danach zeigen, dass das Interesse an einem funktionierenden agilen Vorgehen sehr groß ist. Am besten funktioniert es, wenn man von Beginn an erfahrene agile Trainer und Coaches zu Rate zieht.
Knifflig wurde es in der Session von Jörg Dirbach und Markus Flückiger. Sie stellten dem Publikum kleine Denksportaufgaben (z.B. die Türme von Hanoi), um anschließend gemeinsam Problemlösungsstrategien zu entwickeln, den Softwareentwicklung – so auch der Titel der Session – ist eine Sache des Verstandes.
Das Open-Space-Format wurde wie immer sehr gut angenommen. Es entwickelten sich spannende Diskussionen zu ganz unterschiedlichen Themen, beispielsweise das Werteverständnis der Mitarbeiter eines Unternehmens (siehe Foto).
In der Keynote von Friedrich Führ wurde der Tellerrand der klassischen IT mehr als einmal verlassen. Herr Führ ist Gründer der DESERTEC Foundation, die sich für sauberen Strom aus Wüsten für Klimaschutz und globale Energiesicherheit einsetzt. In seinem Vortrag ging es allerdings weniger um DESERTEC selbst als vielmehr um seine persönlichen Gründe, sich für dieses Projekt einzusetzen. Er möchte nicht irgendwann von seinen Kindern gefragt werden: “Was war eigentlich dein Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels? Du wusstest doch, dass das ein großes Problem für die nachfogenden Generationen wird!” Ein starkes Argument, mit dem Herr Führ sein Publikum dazu animierte, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was einem wirklich wichtig ist – und sich genau dafür einzusetzen. Diese Keynote hat bei allen Zuhörern einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass noch beim Begrüßungskaffee am zweiten SEACON-Tag intensiv über den Vortrag diskutiert wurde.
Am zweiten Konferenztag warfen Carola Lilienthal, Jochen Meyer, Bernd Oestereich, Henning Wolf und ich einen Blick in die Glaskugel. Heraus kamen fünf unterschiedliche Einschätzungen der Zukunft, die nicht einmal auf unsere Branche beschränkt waren. So diskutierten wir schließlich im Rahmen einer Fishbowl die von Bernd Oestereich aufgestellte These, dass uns die Kontrolle entgleitet. Der Betrachtungsgegenstand schwankte im Laufe der Diskussion zwischen Softwareentwicklung, Organisationsentwicklung und Weltpolitik – und das war gut so.
Bei der nachmittäglichen Keynote führte Prof. Dr. Dieter Wallach den Zuhörern sehr anschaulich vor Augen, wie wichtig ein gutes Usability Management ist. Die mitgebrachten Beispiele von Benutzungsoberflächen, die seine Firma ERGOSIGN analysiert und bearbeitet hatte, hatten einen beeindruckenden Vorher-Nachher-Effekt. Nachdem mit der Keynote das Verständnis geweckt war, konnte Björn Lubbe einem interessierten Publikum seine praktischen Erfahrungen bei der Einführung eines Usability Management vermitteln.
Die Pecha Kuchas (an beiden Tagen, in Summe zehn Kurzvorträge) waren sehr hochkarätig. Dieses kurzweilige und für den Vortragenden sehr anspruchsvolle Format hat seinen festen Platz auf der SEACON gefunden, und die Sprecher können immer besser mit dieser kondensierten Form der Wissensvermittlung umgehen. Trotzdem bedeutet Pecha Kucha immer: Adrenalin pur. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, durfte ich doch in 6 Minuten und 40 Sekunden einen Vergleich zwischen Feuerwehrteams und agilen Softwareentwicklungsteams ziehen.
Wenn ich ein Fazit ziehen soll, dann das folgende: Die SEACON wurde 2009 als Austauschplattform für diesen Themenkomplex (Softwareentwicklung und Veränderungsmanagement) aus der Taufe gehoben. Nach drei SEACON-Jahren kann man sagen: Experiment geglückt.
SOA ist tot? Es lebe Prozessorientierung auf Basis BPM/SOA!
Verfasst von Oliver Ihns unter Architektur am 14. Juni 2011
Was war in den letzten Jahren nicht alles über SOA zu lesen: SOA ist überholt, SOA funktioniert nicht, SOA ist out, SOA ist nicht praktikabel, SOA-Projekte scheitern – um mal einige Argumentationen gegen SOA aufzuführen. Ist es wirklich so, dass SOA nicht viel mehr als ein Hype gewesen ist – vornehmlich für die Hersteller von SOA-Produkten?
Nein! Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA ist nach einigen Jahren des Versuchens und Testens den Kinderschuhen entwachsen und beginnt ein handfester Aspekt in der Strategie von Unternehmen zu werden.
Aber was führte dann dazu, dass SOA zwischenzeitlich für gescheitert erklärt wurde?
Unserer Erfahrung nach hat das Scheitern von BPM/SOA-Projekten in den meisten Fällen nichts mit dem SOA-Ansatz generell zu tun. Das Problem liegt eher darin, dass die involvierten Personen/Gruppen die Ansätze und Ideen hinter SOA bzw. BPM/SOA entweder nicht verstanden haben oder die Brücke zwischen BPM und SOA (der Geschäftsprozess- und der technischen Sicht) nicht schlagen konnten.
Weder handelt es sich bei BPM/SOA darum, einfach ein paar technische Konstrukte zu implementieren und zu glauben, dass eine Prozessorientierung damit erreicht ist, wenn diese Konstrukte als “Services” miteinander verbunden werden. Ebenso wenig ist eine erfolgreiche Prozessorientierung durch die grafische Beschreibung einiger Prozessabläufe mithilfe von BPMN erreicht.
Eine erfolgreiche SOA-Initiative hat Einfluss auf verschiedene Aspekte und Disziplinen in einem Unternehmen. Natürlich ist eine serviceorientierte Architektur die Grundlage für ein gut funktionierendes BPM/SOA-System. Hinzu kommt das Verständnis, dass die Geschäftsprozessbeschreibungen (im besten Fall mittels BPMN) deutlich detaillierter durchdrungen werden müssen, als dies im klassischen BPM notwendig ist. Dies ist die Grundlage dafür, dass die sogenannten Business Process Engines die Prozesse durchlaufen können. Ein agiles Vorgehen zur Entwicklung der Geschäftsprozesse sowie zum Aufsetzen und der Umsetzung der serviceorientierten Architektur und der Services ist ein ebenso wichtiger Aspekt. Eine BPM/SOA-Landschaft entsteht nicht als Urknall-Lösung, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum Stück für Stück. Dies bedingt, dass das Vorgehen mit einem iterativen Ansatz umgehen kann. Ein agiler Ansatz wie Scrum ist dafür geradezu prädestiniert. Neben den zuvor genannten Aspekten kommen noch weiche Faktoren wie neue Rollen der Mitarbeiter hinzu. Sich verändernde Aufgaben und neue Anforderungen müssen den Mitarbeitern nahegebracht und dargestellt werden. Alles in allem sind eine Menge Punkte zu beachten, die einen gewissen Erfahrungsschatz voraussetzen.
Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass die Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA in der Realität mittlerweile deutlich erfolgreicher angekommen ist, als es in Printmedien vorhergesagt worden ist. Es ist erfreulich zu sehen, dass das Thema der Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA langsam aber sicher eine ernsthafte Anwendung und Verbreitung findet, die jenseits des Kaufs irgendeines SOA-Produkts steht.
Unternehmen erkennen die Mehrwerte einer Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA, die sie durch eine ordentlich geplante, aufbereitete und umgesetzte BPM/SOA erhalten:
- Geschäftsprozesse müssen konkret bis ins Detail beschrieben werden. Dies ist für die automatische Ausführung durch Business Process Engines notwendig. „Vielleicht“- oder „Mal sehen“-Entscheidungen sind nicht mehr zulässig. Das erhebt die Forderung an die Fachbereiche, ihre Geschäftsprozesse klar darzustellen – und oft werden hierbei schon Optimierungspotenziale für Prozesse entdeckt
- Letztlich ermöglichen die (grafisch) beschriebenen Geschäftsprozesse einfachere Anpassbarkeit an sich ändernde Geschäftsabläufe
- Das Monitoring von Geschäftsprozessen und die damit einhergehenden Möglichkeiten zur Optimierung von Abläufen sind weitere Vorteile dieses Ansatzes
- Die Steigerung des Automatisierungsgrades bis hin zu einer Vollautomatisierung von Prozessen ist ein sehr wichtiger Aspekt für diesen Ansatz. Er gibt den Unternehmen Freiraum, ihr Geschäft weiter wachsen zu lassen, die Kunden intensiver betreuen zu können und die Mitarbeiter gezielt für die wirklich kritischen Themen einzusetzen
Nehmen wir beispielhaft die Versicherungswirtschaft: das Thema der Prozessautomatisierung auf Basis von BPM/SOA ist in dieser Branche geradezu ein Treiber für das zukünftige Geschäft. Versicherungsunternehmen verspüren zunehmend die Notwendigkeit, den Aufwand für die Bearbeitung von Versicherungsfällen reduzieren und die Durchlaufzeit je Versicherungsfall verkürzen zu müssen. Die Kosten pro Fall müssen reduziert werden, da ein Teil der Versicherungsprodukte immer kurzlebiger wird und die Marge dieser zunehmend klein ist. Dieser Bereich schreit geradezu nach Automatisierung, um den Aufwand für die Bearbeitung von Versicherungsfällen auf ein Minimum zu reduzieren. Versicherungsunternehmen, die das Thema der Prozessautomatisierung nicht aktiv angehen und nicht den Schritt von den monolithischen Systemen hin zur Prozessorientierung schaffen, werden ins Hintertreffen geraten.
Ein anderes Beispiel ist die Verlagsbranche; hier konkret solche, die Zeitschriften und kurzlebige Produkte herausgeben: auch dort hält das Thema der Prozessautomatisierung auf Basis von BPM/SOA Einzug. Treiber hierfür ist die Öffnung der Verlage in Richtung Internet. Das klassische Printmedium ist bereits heute durch Internetangebote nicht mehr der Umsatztreiber. Die Medienunternehmen sind gezwungen, sich digitalen Angeboten zu öffnen bzw. ihre Produkte über digitale Vertriebswege im Internet anzubieten. Dies bedingt auch, dass die Systeme, die hierbei benötigt werden, prozessorientiert ausgelegt sind, um eine leichtere Anpassung an immer wieder neu aufkommende Ideen und Trends zu gewährleisten. Die Anzahl der Kunden ist im Internet potenziell deutlich höher als über den Vertriebsweg Printmedium. Dies bedingt zwangsläufig, dass sich Verlage sehr viel stärker mit den Geschäftsprozessen und der Einbindung der Kunden beschäftigen müssen. Die Prozessorientierung legt auch hier den Grundstein für automatisierte Geschäftsprozesse und der permanenten Überwachung der Prozesse hinsichtlich möglicher Optimierungen in den Abläufen. Je besser die Geschäftsprozesse modelliert und technisch umgesetzt sind, desto höher ist der Durchsatz – und desto mehr Kunden können ohne großen Aufwand pro Anwendungsfall zufriedengestellt werden. Gleichzeitig steigt die Kapazität hinsichtlich der Online-Kunden.
Dies sind beispielhaft zwei Branchen, in denen das Thema der Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA mittlerweile ernsthaft angekommen ist und angegangen wird.
Ist BPM/SOA gar doch nicht nur ein Hype gewesen? Ich denke, dass die dargestellten Beispiele zeigen, dass sich BPM/SOA mittlerweile eine festen Stellenwert in den Unternehmen erobert hat und sich zunehmend ausbreitet.
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