{"id":24,"date":"2009-01-31T23:33:13","date_gmt":"2009-01-31T22:33:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.softwarearchitektur.de\/?p=24"},"modified":"2009-06-17T22:35:22","modified_gmt":"2009-06-17T21:35:22","slug":"technische-innovationen-vs-kundenorientierte-entwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.softwarearchitektur.de\/?p=24","title":{"rendered":"Technische Innovationen vs. kundenorientierte Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p>Bisher habe ich Gunter Dueck nur von seiner regelm\u00e4\u00dfigen Kolumne im Informatikspektrum gekannt. In dieser Woche auf der OOP habe ich ihn zum ersten &#8218;mal live erlebt und man kann wirklich nur von einem Erlebnis reden. Sein Thema waren Infrastrukturen (<a title=\"The Smarter Planet\" href=\"http:\/\/www.sigs-datacom.de\/sd\/kongresse\/oop_2009\/program.php?cat=session&amp;ID=7\">The Smarter Planet<\/a>) mit der f\u00fcr mich wesentlichen Aussage, da\u00df Infrastruktur nicht um der Technik willen gebaut werden sollte. Er brachte ein sch\u00f6nes Beispiel, das ich nur sinngem\u00e4\u00df zitieren kann:<\/p>\n<blockquote><p>Vor ca. 10 Jahren hat er sich mit den ersten digitalen Kameras besch\u00e4ftigt. Diese waren schwer, hatten eine schlechte Aufl\u00f6sung und es war schwer, die Kamera mit einem Computer zu verbinden. Das war aber die einzige M\u00f6glichkeit, sich die Bilder anzusehen. Seine Frau hielt digitale Kameras daher auch f\u00fcr komplett \u00fcberfl\u00fcssig. Eines Tages kam seine Frau aus der Filiale einer Drogeriekette nach Hause und berichtete, da\u00df man dort neuerdings digitale Bilder direkt von einer Diskette oder CD auf Papier drucken k\u00f6nne und sie nun auch gerne eine digitale Kamera h\u00e4tte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt, der sicherlich 6 Jahre sp\u00e4ter kam,  war also f\u00fcr den Kunden die richtige Infrastruktur verf\u00fcgbar, um die Technik f\u00fcr sich nutzbringend einzusetzen. Es wird generell so sein, da\u00df der Entwicklungsstand der Technik der tats\u00e4chlichen Nutzbarkeit durch den Anwender einige Innovationszyklen voraus ist. Was ist aber die Nachricht, die man daraus ablesen soll:<\/p>\n<ul>\n<li>soll man nur noch an Technik arbeiten, die der Kunde dann direkt einsetzen kann?<\/li>\n<li>nimmt man in Kauf, da\u00df die Entwicklung der Nutzung voraus ist und daher der &#8222;Return of Invest&#8220; auf sich warten l\u00e4\u00dft?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich habe nach dem Vortrag nat\u00fcrlich sofort \u00fcber die Entwicklung von <a href=\"http:\/\/enterprise.siemens.com\/open\/uk\/oucs\/unifiedcommunications\/OpenScape\/default.aspx \">OpenScape<\/a>, das Produkt an dem ich arbeite, nachdenken m\u00fcssen und mir kamen etliche Fragen in den Kopf. Sollen wir nur das umsetzen, was Kunden explizit als Anforderung formuliert haben? K\u00f6nnen solcherma\u00dfen formulierte Anforderungen noch innovativ sein oder orientieren wir uns dann nur noch an dem was der Wettbewerb schon kann? Ist das Finden der Balance zwischen den Anforderungen der Kunden und der technologischen Innovation eine Aufgabe des Architekten?<\/p>\n<p>Fangen wir mit der letzten Frage an, denn sie ist nur rhetorischer Natur. Von einem Softwarearchitekten werden mehr F\u00e4higkeiten erwartet, als nur ein guter Entwickler zu sein. Dieses Thema hat Frank Buschmann auf der OOP in seinem Vortrag  <a title=\"Was ein Software-Architekt wissen sollte\" href=\"http:\/\/www.sigs-datacom.de\/sd\/kongresse\/oop_2009\/program.php?cat=session&amp;ID=39\"><strong>Was ein Software-Architekt wissen sollte<\/strong><\/a> ausgiebig ausgeleuchtet.<\/p>\n<p>Wer au\u00dfer dem Architekten kann denn beurteilen, ob eine Technologie notwendigerweise eingesetzt werden sollte oder vielmehr eine &#8222;Spielerei&#8220; ist, deren Einsatz f\u00fcr den Business Case nicht relevant ist. Die Schwierigkeit ist wie immer, die richtige Balance zu finden. Ob die Anforderung vom Produktmanagement, dem Endkunden, einem Servicetechniker oder einem der Entwickler definiert wurde, die wichtigste Grundlage die Anforderung umzusetzen ist der Kundennutzen. Andere Einflu\u00dffaktoren bei der Entscheidungsfindung sind<\/p>\n<ul>\n<li>Einsparm\u00f6glichkeiten<\/li>\n<li>das Abl\u00f6sen von benutzten technischen Komponenten<\/li>\n<li>Innovationen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Beurteilung dieser Faktoren ist nicht nur das Produktmanagement sondern auch der Architekt gefragt: die Einf\u00fchrung einer neuen Installationsroutine ist nur dann sinnvoll, wenn der Servicetechniker die Installation oder ein Update in k\u00fcrzerer Zeit durchf\u00fchren oder mit weniger Fehlern durchf\u00fchren kann. In diesem Fall kann man den Nutzen f\u00fcr die Firma wieder in Geld bemessen. Der Architekt hat die Verantwortung auszuschlie\u00dfen, da\u00df hier eine Baustelle ge\u00f6ffnet wird, nur weil es ein neues Tool zur Programmierung eines Installers oder einen weiteren Packaging Mechanismus f\u00fcr Linux Distributionen gibt.<\/p>\n<p>Der Architekt mu\u00df sich mit den aktuellen und relevanten Technologien auskennen und jederzeit \u00fcberpr\u00fcfen, ob die von ihm mitentwickelte L\u00f6sung nicht inzwischen durch eine Standardimplementation, ein OpenSource Projekt oder eine zugekaufte 3rd Party Komponente abgel\u00f6st werden kann. Das kostet \u00dcberwindung und und bedeutet notwendigerweise, da\u00df der Architekt die notwendigen Soft-Skills ben\u00f6tigt, sein Team zu \u00fcberzeugen, da\u00df die eigene Implementation nicht mehr dem Stand der Kunst entspricht oder einfach nur deshalb abgel\u00f6st werden sollte, weil sich die Wartungskosten verringern.<\/p>\n<p>Handelt es sich um ein besonders innovatives Thema, f\u00e4llt es dem Architekten besonders schwer, den Kundennutzen zu bemessen. Wie soll er \u00fcber etwas urteilen,was es so noch nicht gegeben hat? Der Bewegungssensor im iPhone, der vornehmlich ersteinmal daf\u00fcr da ist automatisch den Bildschirm zu drehen, wenn man das Telefon in eine andere Position bringt, hat ein enormes Potential f\u00fcr neue Formen der Interaktion. Zuerst preschen nat\u00fcrlich die Spieleentwickler vor und nutzen einfach das gesamte Telefon zur Steuerung. Soll man dieses Konzept auf andere Anwendungsprogramme \u00fcbertragen und ein Sch\u00fctteln des Telefons nutzen, in einem Client den Serverzustand zu aktualisieren (Reload)? Ist das eine Spielerei, die ein verantwortungsvoller Architekt unterbinden sollte, oder ist es nur so m\u00f6glich, alteingefahrene Wege zu verlassen und dem Kunden neue Erfahrungen zu vermitteln?<\/p>\n<p>Orientiert sich die Entwicklung neuer Produkte nur an existierenden Anforderungen, werden anhand von Checklisten nur die Features der Konkurrenz nachgebaut. Ist die Produktentwicklung nur technologiegetrieben, besteht die Gefahr, da\u00df man zwar der &#8222;First Mover&#8220; ist, sich das Produkt aber nicht verkaufen l\u00e4sst.  Deshalb ist es unabdingbar den Architekten in die Verantwortung zu nehmen, eine Balance zwichen Business Priorit\u00e4ten, architekturellen Risiken und technologischen Innovationen zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher habe ich Gunter Dueck nur von seiner regelm\u00e4\u00dfigen Kolumne im Informatikspektrum gekannt. In dieser Woche auf der OOP habe ich ihn zum ersten &#8218;mal live erlebt und man kann wirklich nur von einem Erlebnis reden. 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